Fertig. Die Flaschen sind etikettiert und mit Wachs versiegelt. Wenn wir eine Kalkulation erstellen und einen Verkaufspreis festlegen müssten, würde der so um die 364,00 für 250 ml liegen. Kein Jahrgangswein aus einer sensationellen Lage, nein. Es handelt sich um Schnaps, genauer gesagt Birnenschnaps.

Angefangen hat alles mit einem alten Obstbaum. Madernassa ist eine Birnensorte, die im Piemont heimisch ist. Sie wird zur Zubereitung von Desserts, speziell für Rotweinbirnen verwendet. Immer weniger werden diese Bäume und immer seltener findet man diese wunderbare Obstsorte am Markt.

Das Anwesen von Mauro Manfredi steht auf einem Hügel, oberhalb von Dogliani. Der besagte Birnenbaum wacht über das wunderschöne Anwesen. Wir haben ihn überredet, die Früchte aufzusammeln anstatt sie mit seinem Auto platt zu fahren und für uns in Kisten zu packen. Damit ging es nach Vorarlberg.

Hier kommt Wolfgang Bohle ins Spiel. Ein Profi im Schnapsbrennen, da macht ihm keiner was vor. Er hat das Obst für uns eingemaischt und richtig präpariert in ein Fass verpackt. Die Maische hat in unserem Keller ein paar gemütliche Monate verbracht, eher ein Jahr, wenn wir ehrlich sein sollen. Es hat uns überrascht, dass Wolfgang bei einer Begutachtung festgestellt hat: die Ware eignet sich jetzt perfekt perfekt zum Brennen. Nach so langer Zeit – unglaublich.

Gesagt, getan. Einen Brennwagen hat uns der Obstbauverein Götzis zur Verfügung gestellt und wir wurden für einen Samstag lang zu Schnapsbrennern. Eine fantastische Fotografin war am Set – Ursula Dünser hat das ganze Abenteuer immer wieder mit ihrer Kamera festgehalten.

In einen Glasballon abgefüllt, wandert das kostbare Gut wieder für ein paar Monate in den Keller.

‚Wir sollten jetzt bald mal den Schnaps verschneiden‘ meint Wolfgang bei einer Begegnung. Wieder mal zeigt sich, wie wenig Ahnung wir von diesem Metier haben. Spontan organisieren wir rund um diesen Produktionsschritt ein kleines Fest mit Freunden, mehr dazu beitragen können wir nicht wirklich.

Jetzt werde ich angewiesen, mich um Flaschen zu kümmern. Der Glasballon ist nicht mal zu drei Viertel voll, kleine Flaschen also, entscheide ich. Das schaut nach mehr aus.

Dieses Mal ist sogar Wolfgang überrascht, die Ausbeute reicht für über 100 Flaschen. Wir sind sehr stolz!

Der Schnaps muss ein fantastisches Etikett bekommen, soviel steht fest. Wir lieben gutes Design, schönes Papier und kreative Menschen. Die talentierte Johanna Barberi erbarmt sich unser. Ruckzuck bekommen wir einen Entwurf, der uns gleich begeistert. Genau die richtige Mischung Professionalität, Humor und Leidenschaft, die schon das ganze Projekt begleitet. Pearmont!

Da wollen wir uns beim nächsten Schritt auch nur mit dem Besten zufriedengeben und wenden uns an das Designduo Schneeweis/Wittmann. Ulla und Fabian haben als Artists in Residence die Etiketten für unsere 2017 Weinernte entworfen. Die beiden sind Fans von analogen Printmethoden und – hurrah-  wir bekommen Etiketten auf traditionelle Art gepresst, um einen taktilen, gestochen scharfen Effekt zu erzielen.

Die schlichten schwarzen Drehverschlüsse wollen nicht mehr so richtig zu dem hochwertigen Label passen. Schwarzes Wachs bekommen wir bei Gianfranco im Weinkeller, er hat immer etwas davon am Lager. Finalmente werden die Flaschen von Tuomo Nurminen mit dem Wachs versiegelt.

Dass wir den Madernassa Schnaps nicht um 364,00 anbieten müssen, liegt an all den wunderbaren, kreativen Menschen, die kostenlos an diesem Projekt mitgearbeitet haben.

So dürfen wir den Schnaps, anstatt ihn zu verkaufen, an unsere Freunde und Vereinsmitglieder, die Serafina Gäste verschenken.

GRAZIE Wolfgang Bohle, Ursula Dünser, Johanna Barberi, Ulla Schneeweis, Fabian Wittmann, Mauro Manfredi und Madernassa Baum, Tuomo Nurminen.