Text und Fotos Charis Stank*

 

Zwischen Haselnuss und Reben

Ein Holzbackofen zum Pizza backen? Einmal Teig kneten wie eine italienische Mama? In der Entscheidung zugunsten des Casa Castello in Dogliani, habe ich auf den Pool geschaut. Noch einmal spät im Jahr schwimmen gehen, dabei von grünen Haselnusssträuchern und prall gefüllten Weinreben umgeben sein. Ein wenig wandern und auf alle Fälle das gute Essen in der Langhe genießen. Alles zusammen kam mir ausgesprochen verlockend vor.
Die eigentliche Attraktion, den Holzbackofen zum Pizzabacken, hatte ich also übersehen. Dabei sollte genau dieser uns einen der schönsten Abende unsere Aufenthalts bescheren und durch seine enorme Wärmespeicherung noch Tage darauf eine heimelige Atmosphäre in die Küche zaubern.

 

Serafina Quota: ein Kulturverein

Aber von vorn: das Casa Castello gehört zu den Ferienhäusern der Serafina Quota. Hinter Serafina Quota verbirgt sich ein Kulturverein, der mehrere Ferienhäuser in der Langhe verwaltet. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu kapieren, was sich wirklich dahinter verbirgt.

Denn es handelt sich weder um eine klassische Ferienhausvermietung, noch um einen typischen Privatbesitz. – Übersetzt man das Wort „Quota“ vom Italienischen ins Deutsche, spuckt Google das Wort Aktie aus. Und obwohl das nicht die offizielle Herleitung ist, passt es ganz gut. Die „Quotas“ wollen Menschen verbinden. Sie sollen „zusammen finden, um zu arbeiten, auszustellen, sich zu vernetzen und – nicht zuletzt – zu genießen.“. Jeder Gast trägt also eine Aktie zum Gelingen des Projektes bei und statt einfach nur Urlaub zu konsumieren, taucht man ein, in die liebenswerte und an vielen Orten noch wunderbar traditionelle Lebensart der Piemonteser.

Wie fast überall, ist auch in der Altstadt von Dogliani nicht zu übersehen, dass sich alte Strukturen auflösen. Kleine Handwerksbetriebe und Händler sind verschwunden. Supermärkte am Rande der Stadt strapazieren gewachsene Lebensräume. Als Gast der Serafinahouses jedoch ist man mittendrin. Hat die Chance, durch die vor mehr als zwanzig Jahren in die Langhe gezogenen Gastgeber, die Gastwirte, Haselnussproduzenten und Winzer der Region hautnah kennenzulernen, deren Geschichten anzuhören, ihre Produkte zu probieren. Und ohne, dass an der Ecke jemand mit erhobenem Zeigefinder warten würde, kann man durch seine Anwesenheit, seinen Urlaub, zum gesunden Erhalt dieser Region beitragen. Einfach, indem man etwas Zeit einsetzt. Morgens mit dem Brotbeutel in der Hand zum Bäcker läuft, in der Bar Riviera am Hauptplatz oder in einer anderen Bar des Ortes einen Espresso schlürft oder den Wein für das Abendessen direkt beim Winzer erwirbt.

Alles in allem könnte man meinen: ein ambitioniertes Ziel. Aber liest man die Berichte der Gäste auf der Website des Hauses, stellt man fest, dieser Plan scheint aufzugehen. Da ist Begeisterung zu spüren und der Wille nicht zu stören, sondern zu beleben.

 

Schlafen über dem Stadttor

Dicke Mauern, ein Kreuzgewölbe und der Blick über die sanften Hügel der Langhe prägen den Charme unseres Schlafzimmers im Casa Castello. Mich fasziniert die still gelegte Feuerstelle hinter dem Bett und die dunkel gestrichenen Fensterläden. Das erinnert an ein altes Schloß.
Auch die anderen Zimmer, neben Küche und Wohnbereichen, zwei weitere Schlafzimmer und Bäder geben den Blick auf die Landschaft frei. Am besten zu sehen von den schmalen Balkonen, die von beiden oberen Etagen des Hauses zu betreten sind. Obwohl es sich anfühlt wie ein herrschaftliches Gebäude, ist das Casa Castello ein normales Stadthaus. Robust gebaut, in den Jahrhunderten verändert und immer wieder erweitert und nun seit 2017 zu einem komfortablen dreigeschossigen Ferienhaus saniert.
Die Fussböden sind grau, die Wände beige. Die Besitzer haben mit viel Geschmack ihr Augenmerk auf die Funktionalität der Einbauten gesetzt und mit rustikalen und regional üblichen Materialien gebaut. So sind die Waschtische und Trennwände in den Bädern gemauert, über den Ausgüssen liegen Steine. Spiegel und schmiedeeiserne Haken reduzieren sich auf das was sie sein sollen: Hilfsmittel im Alltag zum Haare fönen und Handtuch aufhängen.

 

La dolce Vita

Unsere Zeit verbringen wir mit Spaziergängen in den Ort. Wir kaufen ein, schwimmen im Pool und genießen das milde Wetter. Spätestens am Abend wird gekocht. Besondere Highlights sind der Wochenmarkt am Dienstag, der sich durch einen großen Teil der Altstadt zieht und ein kleiner Gemüsemarkt am Samstagmorgen. Und natürlich Besuche in der Bar Riviera oder bei Aldo im Café Corte.

Ein Tagesausflug nach Savona ans Meer und Abstecher in die nähere Umgebung, um zum Beispiel den Haselnussproduzenten Alberto Quazzo zu besuchen – viel mehr „draußen“ brauchen wir hier nicht. Selbst der zuvor als unvermeidbar angesehene Abstecher nach Turin muss zugunsten der Sonnenstunden am Pool auf einen nächsten Besuch vertagt werden.

Den letzten Abend feiern wir mit einem Abschiedsessen im „Il Verso del Ghiottone“. Die raffinierte piemontesische Küche und die Weine rechtfertigen, die etwas höheren Preise gegenüber der ebenso dicht beim Haus liegenden und immer wieder gern besuchten Pizzeria La Lanterna.

Bei unserer Abreise streunt eine der Katzen an uns vorbei hinter das Haus. Man möchte ihr folgen…
Zeit verbringen

Wanderwege beginnen direkt neben dem Haus.
Für Besuche in Alba (ca. 30 km), Bra, Monforte d’Alba und ans Meer sollte man ein eigenes Auto haben, sonst wird’s kompliziert. Mein Favorit zum Shoppen ist übrigens Bra, die Heimat der Slow Food Bewegung.
Wein kaufen: Enoteca Il Vinoso, Via Carlo Rovere, 46, 12063 Dogliani
Lebensmittel: Olivero Giuseppe, Via Guglielmo Marconi, 4, 12063 Dogliani (Tolle Auswahl an verschiedenen Mehlsorten)
Bäckereien: in der Strada Provinciale (Grissini und besonders schön verzierte Brötchen), leider auch ohne Namen: an der Ecke Via Carlo Rovere / Via Salita al Castello (dort gab es sehr köstliches Gebäck)
Bars: Bar Rivierra am Hauptplatz – Caffé Corte (Wir haben Aldo mit der Frage nach einem Bellini jedes Mal in den Wahnsinn getrieben. 🙂 – Open Air Bar Il Caveau del Gusto, Piazza Belvedere, Borgo Castello, 12063 Dogliani

Weitere Tipps holt man sich am besten bei Yvonne von den Serafinahouses, die uns ohnehin die komplette Zeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

 

* Charis Stank
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