entscheidend, ist der druck

manchmal verlangen projekte ein gewisses maß an druck. mit dem fixieren eines präsentationstermins, nimmt das tun fahrt an und plötzlich gibt es kein halten mehr. auch wenn die füße schmerzen, die dreißigste perle schweiß über die stirn rinnt und die arme vom siebdruck brennen. weiter, einfach immer weiter, noch einen kaffee und vorwärts. dann, irgendwann tritt der sehnsüchtig herbeigewunschene augenblick ein – endlich fertig. die tiefsitzende müdigkeit ist verflogen und die verdiente euphorie setzt ein. das sind projekte, die man nicht vergisst – projekte bei denen neben einem runden, harmonischen endprodukt, der größte schatz die gemeinsame erfahrung ist. gebündelte leidenschaften, die in jeder phase diese produkts zu finden sind.

 

die geschichte zum rotwein »quota 311.1« 2018

gedanken die vereinen

als initiatorin und koordinatorin ist yvonne amann von serafina, dreh- und angelpunkt bei diesem gemeinschaftsprojekt. schon letztes jahr hatte yvonne eine box von einem grafiker gestalten lassen.

auch dieses mal ging es wieder darum, gemeinsam die köpfe rauchen zu lassen und sich gegenseitig zu inspirieren. die zehn jungwinzer der sesta classe sorgten für den charakter- starken wein, der kulturverein serafina bot den reichhaltigen nährboden, während sich die gestalterinnen lena seeberger und sarah mistura vom verein KOLLEKTIV, der konzeption wie auch der einzigartigen verpackungsgestaltung annahm.

der kunst und- kulturverein KOLLEKTIV fördert und vernetzt künstlerinnen und bietet ihnen eine plattform sich zu präsentieren. die neun gründungsmitglieder verbindet eine freundschaft und ein großer gemeinschaftssinn.

eine ganz besondere verbindung haben auch die winzer der sesta classe, die nach ihrem studium einen grund brauchten sich regelmäßig zu treffen denn sie sind gute freunde geworden. also entschlossen sie kurzerhand einen gemeinsamen wein zu machen.

was alle drei beteiligten in ihrem tun verbindet ist die leidenschaft für die sache, die freundschaft und teamarbeit und die große lust zu experimentieren, ohne daran an profit zu denken.

 

vielschichtige gestaltung

wir beginnen dort, wo hochwertige produkte ihren anfang finden – in der wertschätzung ihrer herstellung und einem gut durchdachten design.

ineinander verschlungene bahnen ziehen sich durch die üppige landschaft des piemont. eine einzigartige, rhythmische umgebung, die sich nicht nur im wogenden genuss des weines wiederfindet.

wie ein fingerabdruck der landschaft gibt uns die topografie, die liniendarstellung auf der verpackung, eine ahnung dieses facettenreichtums.

vom liebevoll gereiften wein bis hin zur schweißtreibenden, individualisierten produktion der verpackung – in jeder phase steckt pure leidenschaft.

bei diesem eigens entwickelten verpackungssystem liegt das augenmerk auf der jugendhaften frische, die repräsentativ für die zehn jungwinzer steht – unaufdringlich und überraschend.

schnell ist dieser weinkarton für unterwegs eingepackt und der zapfhahn befüllt im handumdrehen gleich mehrere gläser. so lädt diese box im knalligem orange und mit einer menge an liebe zum detail zum neubefüllen und wiederverwerten ein.

diese besondere verpackung ist vorallem eines – eine einladung zum gemeinsamen genuss. denn erst der geteilte moment lässt den vielschichtigen reichtum dieses weines aufleben.

 

produktion mit höhen und tiefen

 

in liebevoller handarbeit und mit viel muskelkraft wurde die kartonbox im druckwerk lustenau (at) bedruckt. jede weinbox ist durch das siebdruckverfahren einzigartig – nicht jede ist perfekt und zeigt so ganz ungeschönt die liebevolle handarbeit dahinter.

 umgeben von historischen hoch- und tiefdruckmaschinen, dem duft von öliger farbe und dem grellen neonröhrenlicht, war der erste schritt die orangen unterkartons zu drucken. zu zweit und mit viel muskelkraft wurde die siebdruckrakel etwa 400 mal hin und her bewegt.

durchhalten war angesagt, denn eine pause würde die farbe im sieb trocknen lassen. also weiter und weiter und weiter. nach drei stunden war der letzte karton bedruckt, jetzt nur noch das sieb auswaschen und dann endlich die wohlverdiente pause.

doch der bärenanteil stand uns noch bevor. der oberkarton mit drei farben. zu beginn der ersten nachtschicht waren wir noch optimistisch und glaubten, alles in dieser nacht drucken zu können. weit gefehlt – wir schafften gerade mal die hälfte der kartons mit weißer farbe zu bedrucken. um sechs uhr früh morgens gaben wir auf – völlig erschöpft und mit schmerzenden gliedern. wir brauchten eine pause.

uns wurde klar das uns noch einmal so eine nacht bevorsteht, wenn wir nicht früher beginnen. also ging es nach ein paar stunden schlaf und erholung zurück

an die maschinen. die motivation lies einen moment auf sich warten, da die letzte nacht noch tief in den knochen steckte, doch mit dem ersten durchdrücken der farbe durch das sieb auf den rauen karton kam der enthusiasmus ungehindert zurück.

der schweiß lief wieder die stirn runter und die füße brennten noch mehr als in der nacht zuvor, aber wir waren eingespielt, jeder handgriff saß, jeder schritt und jede bewegung mit der rakel wurde präzise fortgeführt.

das auswaschen nach jeder farbe war eine willkommene abwechslung. und vor allem eine pause. endlich kurz entspannen und durchatmen – lagebesprechung. wie lange brauchen wir noch?

am besten nicht darüber nachdenken – einfach weiter machen, fertig machen, abschließen. das taten wir dann auch. um drei uhr morgens war es dann soweit, der letzte karton in der hand – wir freuten uns riesig.

nun ging es nur noch darum, aufzuräumen, zu putzen und das sieb auszuwaschen. plötzlich knallte es – das sieb ist zerrissen. zu guter letzt noch so was! doch glücklicherweise passierte das erst, nachdem wir mit dem drucken der 130 bögen fertig waren.

die finalisierung, das schneiden und falzen der bögen, wurde schließlich in einer druckerei durchgeführt und maschinen ersetzen die muskelkraft – das wäre dann doch zu viel gewesen.

statt rotwein, weißwein und statt siebdruck, stempeldruck. in der letzten woche vor der weinpräsentation entstand, unter hochdruck, das design und die umsetzung der weißweinboxen. auf die schnelle geht es doch und abermals ist der glaube daran, dass es es sich schon alles irgendwie ausgeht ausschlaggebend. und wie auch bei der rotwein-box sind es die menschen die dir in der not, mit rat und tat, beiseite stehen, die die solche projekte zu ganz besonderen machen. vielen herzlichen dank an alle beteiligten – ohne euch gäbe es diese box nicht.
reduzierte einfarbige gestaltung es sollte schnell gehen und einfach umzusetzen sein. da der weißwein nicht von allen winzern kommt, passte es nicht, einfach die farbe zu ändern und das design der rotweinboxen zu übernehmen. eine andere idee musste her. auf die schnelle funktionieren stempel sehr gut – sie sind schnell produziert und jeder kann sie ohne viel wissen oder übung einsetzen.
das war die idee – vier stempel und ein schwarzes stempelkissen. also wurden kurzerhand stempel bestellt. durch das stempeln bekommen die motive eine besonderen handmade charakter. ergänzt wird dieses reduzierte design durch grüne akzente. der grüne unterkarton, das booklet, das wildschwein, wie auch die typografie stellen eine visuelle klammer zur rotwein-box her. es sind zwei unterschiedliche designs die ähnlichkeiten aufweisen und doch so unterschiedlich wirken.

sesta classe – vintner: gabriele calvo, davide mortara, danilo amerio, riccardo toso, ettore bosio, marta
alessandria, matteo conterno, luca boasso, pietro giachino.
serafina – producer, coordinator: yvonne amann.
kollektiv – concept, layout: lena-seeberger.com & agenturrosa.com
text: astrid neumayr & lena seeberger
KOLLEKTIV raum für
bregenz, a
kollektiv-raum.org

 

 

KOLLKTIVraum für

Bregenz

kollektiv-raum.org

concept, layout: lena-seeberger.com & agenturrosa.com

text: astrid neumayr & lena seeberger

fotos: sara mistura