“… Derjenige, der den Ball ausschlägt, steht, die Rechte mit einem hölzernen breiten Stachelringe bewaffnet, auf der obersten Höhe. Indem nun ein anderer von seiner Partei ihm den Ball zuwirft, so läuft er herunter dem Ball entgegen und vermehrt dadurch die Gewalt des Schlages, womit er denselben zu treffen weiß. Die Gegner suchen ihn zurückzuschlagen, … Die schönsten Stellungen, wert in Marmor nachgebildet zu werden, kommen dabei zum Vorschein. Da es lauter wohl gewachsene, rüstige, junge Leute sind, in kurzer, knapper, weißer Kleidung, so unterscheiden sich die Parteien nur durch ein farbiges Abzeichen. …”

So beschreibt Goethe in seinem Reisetagebuch “Italienische Reise” das Gara al Palone, ein uraltes Ballspiel.

 

Am nächsten Tag sitzen wir quasi im Vereinslokal, auf das “wohlgewachsen” und “jung” ebensowenig zutrifft wie auch den Wirt und seinen Sohn. Sie waren Stars der lokalen Palone-Szene, daran erinnern Fotos in der Gaststube und in der Küche. Die ist auch das Wohnzimmer. Und die Bar. Und das Lager für die frisch zubereiteten Nudeln.

Uns dirigiert man in den Speisesaal, stellt Roten und Weißen auf den Tisch und dann ist Anpfiff. Das ist der Beginn zu einem phänomenalen piemontesischen Menü, bei dem die Köchin und wir alles geben.

Das Spiel “Langhe gegen uns” ist über weite Strecken hart, unfair und als Auswärtsspiel gegen eine ausgezeichnete Heimmannschaft nicht zu gewinnen. Wir versuchen, im ersten Viertel bei den Vorspeisen ein hohes Tempo zu gehen. Dabei bringt uns der Gegner mit unerwarteten Einwürfen wie gebackenen Pilzen (!) immer wieder aus dem Rhythmus.

Im zweiten Viertel, traditionell eine unserer Stärken, putzen wir die Primi nur so vom Feld und leeren eine um die andere Platte: Tajarin und Ravioli dal Plin haben wenig Chancen, weil wir sie selten so ausgezeichnet gegessen haben. Der Anfang vom Ende kommt mit den Secondi, bei dem zum ersten Mal Cinghiale auf den Tisch kommt. Bei einem so hervorragend geschmortes Wildschwein gibt es kein Erbarmen. Die Dolci, die folgen, haben wir nur noch am Rande miterlebt, der Lemoncello am Ende ist ein Hohn auf uns als Gegner. Fazit: dieses Essen in diesem Lokal ist unschlagbar und “Alta Langhe at its best”.

 

Trattoria Mollo Via Costa 6 12070 Torresina (CN)

T 0039 0174 789163