*Text und Fotos Gunnar Berendson

 

Selten, ganz selten blickt dem hungrigen Touristen abseits der gut eingekochten Gourmet-Pfade noch ein gastronomisches Erlebnis ins Auge. Uns geschah das in Cerretto Langhe, einem eher winzigen Nest, das man eigentlich nur aufgrund seiner Durchfahrtsstraße quert. Doch in diesem Fall blicke unser Hund Yasu in einen Hof voller Katzen und lenkte so unsere Aufmerksamkeit auf den Innenhof des A ca ‚d Fantin mit einem kleinen „Aperto“- Schild.

 

Kleine Schilder wirken nach Ansicht des Autors dieser Zeilen immer vertrauenserweckend und so näherten wir uns dem (leeren) Platz. Der Innenhof vor dem Eingang des Lokals war verweist, doch bevor wir den Rückzug antreten konnten, begrüßte uns aus dem Küchenfenster eine ältere Dame, bat uns Platz zu nehmen, deckte geschwind mit Decke und Stoffservietten ein, platzierte eine Flasche Wein auf dem Tisch und kündigte die baldige Ankunft des Cameriere an, der sich dann weiter um uns kümmern würde.

 

Nach einem Viertelstündchen trat ein freundlicher Herr reiferen Alters an unseren Tisch und stellt sich als Kellner und Gatte der Köchin vor. Die Speisekarte kommt auf der Tonspur mit Hintergrundwissen zu Land und Leuten, die Auswahl entspricht dem Angebot des eigenen (Gemüse-) Gartens, der Laune der Köchin, den Angeboten der umliegenden Lieferanten  und den saisonalen Gegebenheiten – kurzum klassische piemontesische Küche. Wir bestellten einmal alles.

 

Währendessen erzählte uns der Kellner, der auch der Inhaber ist, und dessen Frau uns ja schon begrüßt hatte, von dem Lokal, das die beiden auch mit über 80 Jahren noch jeden Tag zur Mittagszeit öffnen. Im inneren bietet das gepflegte Restaurant im Stil der 70er Jahre gut 60 Plätze und erinnert an bessere Zeiten. Heute machen die beiden nur noch was ihnen Spaß macht, und das schmeckt auch so.

 

Die Preise sind ein Witz, der Platz ist ruhig, fast verlassen, der Service freundlich und nicht mehr ganz so schnell zu Fuß. Wir waren zweimal im A Ca ‚D Fantin – denn dieser Platz ist auch ein gastronomisches Vanitas-Motiv, das uns charmant daran erinnert, wie man mit Spaß und Freude auch im hohen Alter noch Gäste bezaubern kann.

 

Ristorante A ca ‚d Fantin  Via Annunziata 8  Ceretto Langhe

Tel. +30 0173 520063

 

 

*Gunnar Berendson ist als Kommunikationsberater tätig  und lebt mit Frau und Hund am Chiemsee. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren auch mit dem schwindenden Angebot rund um handwerklich gut gemachte Bekleidung, Schuhwerk und Accessoires. Und so ist aus dem von ihm gegründeten Blog „Slow-Wear“ im Jahr 2016 das Ladengeschäft SEESTRASSE7 entstanden. Hier, in der Seestraße 7 in Breitbrunn am Chiemsee, bietet der Nebenerwerbs-Händler in einem ehemaligen Edeka-Markt unter dem Slogan  „Handarbeit mit und ohne Korken“ vom handgemachten Hemd bis zum Ortsriesling aus dem Rheingau erfreuliches für Auskenner und Neugierige.